Harald Markscheffel

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Gesprächskreis: Offene Kirche

Wahlkreis: Aalen / Heidenheim

Laie

© First Floor Studios, Aalen

Beruf: Rechtsassessor / juristischer Firmenberater / freiberuflicher Dozent für Rechts und Berufskunde
Geburtsjahr: 1964
Geburtsort: Stuttgart
E-Mail: harald.markscheffel@offene-kirche.de

Ausbildung und beruflicher Werdegang

1985 Abitur in Stuttgart
Jurastudium in Tübingen, Passau und Würzburg
Referendariat in Würzburg und Schweinfurt
1996 bis 2011 Rechtsanwalt in Würzburg und Aalen
Seit 2012 Firmenjurist und freiberuflicher Dozent für Recht

Neben- und ehrenamtliche Tätigkeiten in Kirche und Gesellschaft

Bergwerksführer im Tiefen Stollen Aalen-Wasseralfingen (ehemaliges Eisenerzbergwerk)
Vorstandsmitglied (Beisitzer) im Verein Besucherbergwerk Tiefer Stollen e.V. in Aalen, dort zuständig für die Kultur- und Traditionspflege
über die Jahre verschiedene Erfahrungen mit der Gestaltung von sogenannten "Zweitgottesdiensten" (wie z.B. Thomasmesse, aber auch andere), Mitarbeit bei verschiedenen Glaubenskursen, z.Zt. beim Alfa-Kurs in Oberkochen, Mitarbeit als Leiter eines Kreises junger Erwachsener (ca. 2002 bis 2013), Mitarbeit im Gemeindegebetskreis Oberkochen, Mitarbeit bei den Altpietisten im Bezirk Aalen (Halten der "Stunde" , insbesondere in Kirchheim/Ries), ausarbeiten und Halten von Predigten mit dem jeweiligen Pfarrer oder auch schon alleine (in Zweitgottesdiensten) an Faschingssonntagen - in Reimform (an anderen Sonntagen "wage" ich mich nicht an das "Kanzelrecht" heran...:)...)

Private Angaben

Familienstand/Kinder: verheiratet, leider keine eigenen - dafür Patenkinder und Kinder in der Verwandtschaft, , um die wir uns nach Möglichkeit zu kümmern versuchen
Persönliche Interessen und Freizeitgestaltung: Geschichte und historische Zusammenhänge erfahren und erkunden, Bergwerk und Höhlen, Bergwandern und Wandern sowie generell der Aufenthalt in der Natur ; ich bin fasziniert von Greifvögeln und versäume keine Schau, wo möglich. Daher ist eine meiner Lieblingspersonen in der Geschichte der Stauferkönig Friedrich der II., den diese Tiere ebenfalls in ihren Bann zogen (ich habe schon selber Schnupperkurse mit diesen faszinierenden Tieren gemacht und sie auf der Hand getragen), lesen
Was ich noch sagen möchte: Wie Sie den Neben- und ehrenamtlichen Tätigkeiten schon entnehmen können, kenne ich kein Flügeldenken in meiner Kirche und habe keine Berührungsängste mit den verschiedensten Gruppierungen. Von den Falknern sowie den Bergleuten habe ich gelernt, dass man sich als Gemeinschaft aufeinander verlassen können muss. Der Greifvogel kommt nur wieder, wenn sein Vertrauen niemals enttäuscht wird; der Bergmann ist in Gefahren auf den Kumpel nebenan angewiesen und muss ihm dann voll vertrauen können. Wen das schon im weltlichen Bereich so ist, sollte dies in der Kirche eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber leider nicht. Als Jurist habe ich schon immer versucht, zu schlichten statt zu richten - nicht um jeden Preis und in der Kirche muss die Bibel immer noch der Maßstab, der Kompass der gemeinsamen Ausrichtung sein. Aber die einen für "rückständig", "nicht mehr zeitgemäß" , "ewig gestrige" zu halten - nur weil sie ein bestimmtes, begründetes Bibelverständnis haben ist genauso wenig hilfreich wie meinem Mitchristen bei jeder sich bietenden Gelegenheit gleich den Glauben abzusprechen, wenn er mir zu fortschrittlich ist. Es gehört auf beiden Seiten eine gesunde Portion Vertauen dazu, dem jeweils anderen erst einmal zuzugestehen, dass er sich ebenfalls auf der Basis der Bibel bewegt, dies gerne möchte oder zumindest darum ringt. Wichtig ist dabei, dem jeweils anderen zuzuhören und seinem Standpunkt Respekt zu zollen. Als Volk Gottes, das Gott und Jesus angehört sollten wir sowieso wieder viel mehr hören (auf das, was uns unser Herr zu sagen hat, aber auch einander zumindest offen zuhören ) - und dann erst handeln. Dabei müssen wir wieder lernen alles auszuhalten, was uns meine Schwester, mein Bruder zu sagen hat - wenn es in der geschwisterlichen Liebe geschieht, die uns Christus gebracht und die Paulus so treffend beschrieben hat. Wir müssen wieder eine Streitkultur entwickeln, in der es in der Sache leidenschaftlich zugehen darf (Leidenschaft für die Sache Gottes ist grundsätzlich nicht verkehrt) - in der ich aber mit meiner Schwester/meinem Bruder, mit dem ich mich gerade leidenschaftlich auseinandergesetzt habe, danach in geschwisterlicher Liebe "ein Bier trinken" kann (oder eine Apfelschorle... ).
Ich stehe für Toleranz - da, wo Toleranz hingehört. Toleranz erfordert aber immer einen Standpunkt, von dem aus ich sie üben kann. Toleranz ohne eigenen Standpunkt wird schnell zur Beliebigkeit. Toleranz heißt auch nicht, dass ich mir die Ansichten und Lebensweisen des anderen zu eigen machen, ihnen zustimmen muss. Das lateinische "tollerare" heißt ertragen, aushalten, erdulden. In den Begriffen schwingt auch eine gute Portion "Leidensfähigkeit" mit. Womit wir wieder bei der von Paulus so treffend beschriebenen Liebe Christi wären.
Im Übrigen stehe ich dafür, dass die Kirche sich auch in der Gesellschaft einbringt,
dass wir dorthin gehen, wo die Menschen sind, wenn sie nicht mehr in die Kirchen kommen. In den östlichen Bundesländern geschieht das zum Teil schon. Bei in manchen Regionen nur noch ca. 12% Kirchenmitgliedern, wie ich in einer ev. Kommunität vor Jahren schon bei Halle/Saale erfahren habe - konfessionsübergreifend, wohlgemerkt, also katholisch, evangelisch und freikirchlich, ist das auch bitter notwendig. Jesus hat Zachäus auch nicht eine förmliche, schriftliche Einladung für den nächsten Gottesdienst in der Synagoge in sein Zolleintreiberhäuschen geschickt - und gewartet, bis er kommt - er hat ihn, fast wortwörtlich, "vom Baum geschüttelt" (komm herunter, ich muss heute bei Dir einkehren) - übrigens nicht alleine, sondern sein gesamter "Klerus" den er hatte, sprich seine Jünger, gingen mit.
Die Pfarrer vor Ort haben immer mehr Verwaltungsaufgaben zu übernehmen und immer weniger Zeit für Seelsorge. Das muss sich, soweit möglich, wieder ändern. Da ich Jurist und damit Realist bin weiß ich, dass man das nicht so einfach versprechen und mal eben kurz "machen" kann. Das tue ich auch nicht. Aber wir sollten uns in der nächsten Synode intensiv darum bemühen.
Die Kirche hat für mich einen, auch weltlichen, Bildungsauftrag. Kirchliche Bildungsträger und -einrichtungen sind kein "Luxus". Sie sind notwendig, um in Fragen der Gesellschaft mitreden zu können - aber auch, um in unserer Gesellschaft christliche Werte und Aspekte mit einfließen zu lassen.
Dazu gehört auch die Kirchenmusik. Da haben wir neben der christlichen Verkündigung inzwischen sogar einen "Kulturauftrag". Ich liebe neue Lieder im Gesangbuch und auch ein toller Lobpreis hat etwas. Aber ein Bach hat schon seine ca. 300 Jahre "auf dem Buckel" und ist immer noch sehr faszinierend und ausdrucksstark. Auch Musik ist für mich Verkündigung. Dabei darf Bach gegen "worship-Music" nicht ausgespielt werden. Beides hat seine Berechtigung. Aber Bach ist darüber hinaus auch Kultur. Im Übrigen könne auch mit Bach ansonsten kirchenfernere Menschen wieder erreicht werden. Natürlich mit neueren Anbetungsliedern ebenso.

Puh -das ist jetzt alles sehr viel für Sie zu lesen, aber ein Tipp: lesen Sie "quer" und das, was Sie interessiert genauer. Ich könnte noch viel mehr hier schreiben und ich wollte auf jeden Fall auch einige Dinge nicht nur allgemein sondern ganz konkret nennen. Die jüngere Generation informiert sich ja oft nicht mehr so sehr über die traditionellen Print-Medien oder geht auf Veranstaltungen. Daher ist gerade an dieser Stelle im Internet meiner Meinung nach auch etwas mehr an Information angesagt.